Lampl-de Groot, Jeanne

Person/Körperschaft

Identifier/Permalink:
Entity 16374
Tätigkeit/Titel/Branche:
Psychoanalytikerin; Psychiaterin

Geburt: 16. Oktober 1895 in Schiedam
Emigration: 1922 in Wien
Emigration: 1925 in Berlin
Emigration: 1933 in Wien
Emigration: 1938 in Den Haag
Tod: 4. April 1987 in Amsterdam

Identifikation Person/Körperschaft: ja
NS-verfolgt: ja
Eigentümer: ja
GND: https://d-nb.info/gnd/1129185877
VIAF: http://viaf.org/viaf/39371588
Notiz: Jeanne (Adriana) Lampl-de Groot wurde am 16.10.1895 in Schiedam (Niederlande) geboren. Ihre Eltern waren Henriette Dupont (geb. 08.02.1864 in Rotterdam) und Michaël Coenradus Maria de Groot (geb. 28.09.1860 in Schiedam).  Dupont stammte aus einer bildungsbürgerlichen Familie. De Groot war Sozialdemokrat, Kaufmann und Leiter einer kooperativen Druckerei in Schiedam.

Aufgewachsen in einer bildungsbürgerlich-sozialdemokratisch geprägten Familie in Schiedam bei Rotterdam, studierte De Groot ab 1914 in Leiden und Amsterdam Medizin. 1921 legte sie an der Universität Amsterdam ihr Examen ab. 1922 ging sie nach Wien, wo sie bei dem Arzt und Psychologen Sigmund Freud (1856–1939) eine Psychoanalyse machte. Bei der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) begann sie eine psychoanalytische Ausbildung und absolvierte zugleich eine neurologisch-psychiatrische Ausbildung an der psychiatrischen Klinik von Julius Wagner-Jauregg. 1925 ging de Groot nach Berlin, wo sie am Berliner Psychoanalytischen Institut (BPI) ihre Ausbildung abschloss.

Im gleichen Jahr heiratete sie den Mediziner und Psychoanalytiker Dr. Hans Lampl (geb. 15.10.1889 in Wien; gest. 01.12.1958 in Amsterdam), der seit 1922 an der Psychoanalytischen Poliklinik in Berlin arbeitete. 1926 und 1928 wurden in Berlin ihre beiden Töchter Henriëtte und Edith geboren. Von 1926 bis 1933 war Jeanne Lampl-de Groot Mitglied der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft und lehrte am BPI.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 flohen Jeanne und Hans Lampl-de Groot, der jüdischer Herkunft war, gemeinsam mit ihren Töchtern nach Wien. Dort war Jeanne bis 1938 u.a. als Lehranalytikerin tätig. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 ging die Familie Lampl-de Groot unter Zurücklassung ihres gesamten Besitzes nach Den Haag und später nach Amsterdam. Während der deutschen Besatzung der Niederlande ab Mai 1940 und der Auflösung der Niederländischen Psychoanalytischen Vereinigung (Nederlandse Vereniging voor Psychoanalyse, NVPA) setzten die Lampl-de Groots ihre psychoanalytische Tätigkeit im Untergrund, in der geheimen „Amsterdamsche Psychoanalytische Werkgroep“ fort. Hans Lampl-de Groot tauchte unter und überlebte im Versteck die Shoah. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs waren Hans und Jeanne Lampl-de Groot 1946 maßgeblich an der Gründung des Psychoanalytischen Instituts beteiligt. Jeanne Lampl-de Groot war bis ins hohe Alter als Psychoanalytikerin tätig und pflegte eine enge Freundschaft mit Anna Freud. Sie starb am 04.04.1987 in Amsterdam.

Quellen:
 
  • Bögels, Gertie: Jeanne Lampl-de Groot (16. Oktober 1895 bis 4. April 1987). Biographische Notizen. In: Freud, Sigmund: Briefe an Jeanne Lampl-de Groot 1921–1939, hrsg. v. Gertie F. Bögels, Gießen 2017.
  • Stroeken, Harry: Die Schicksale der in die Niederlande emigrierten Psychoanalytiker, in: Ludger M. Hermanns (Hg.): Psychoanalyse und Emigration aus Budapest und Berlin, Frankfurt a. M. 2013, S. 139–156.
  • "Jeanne Lampl-de Groot", in: https://psychoanalytikerinnen.de/niederlande_biografien.html#Lampl
  • "Hans Lampl", in: Elke Mühlleitner: Biographisches Lexikon der Psychoanalyse. Die Mitglieder der Psychologischen Mittwoch-Gesellschaft und der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung, 1902-1938, Tübingen 1992, S. 199ff.

Jenka Fuchs / Silke Bremer (Stadtbibliothek Hannover), Stand vom 20.04.2026
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