Schmalz, Hedwig

Person/Körperschaft

Identifier/Permalink:
Entity 19904
Tätigkeit/Titel/Branche:
Dr. med., Ärztin

Geburt: 6. Februar 1892 in Stuttgart
Emigration: 1936 in Palästina

Identifikation Person/Körperschaft: ja
NS-verfolgt: ja
Eigentümer: ja
GND: https://d-nb.info/gnd/125667949
VIAF: https://viaf.org/de/viaf/45271270
Notiz: Hedwig Schmalz wurde am 6. Februar 1892 in Stuttgart als Tochter der Eheleute Albert (1866–1942) und Jeanette Pressburger (geb. Rosenbaum, 1862–1913) geboren. 1911 machte Hedwig Abitur am Humanistischen Gymnasium in Cannstadt. Im Anschluss studierte sie in München, Tübingen und Heidelberg Medizin. Hedwig Schmalz legte 1916 in Heidelberg ihr Staatsexamen ab, wo 1918 auch ihre Promotion erfolgte. Am 21. Januar 1918 erhielt sie ihre Approbation. In den 1920er Jahren siedelte Hedwig Schmalz nach Berlin über, wo sie in Berlin-Neukölln praktizierte. Von 1933 bis 1935 wirkte sie als Ärztin für Röntgen-Diagnostik/Therapie.

1922 heiratete Hedwig Schmalz in Berlin den 1891 in Posen geborenen Arzt Dr. Wilhelm Schmalz (1891–1928). Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. Irene Schmalz wurde am 8. August 1923 in Berlin geboren. Tochter Ursula kam am 26. August 1926 in Berlin zur Welt. Ab 1922 praktizierte Hedwig Schmalz als niedergelassene Ärztin in Berlin-Neukölln. Ihre Praxis befand sich bis 1935 in der Kaiser-Friedrich-Straße 64. Wilhelm Schmalz starb am 28. September 1928 im Alter von 37 Jahren in Berlin.

Hedwig Schmalz engagierte sich in der Frauen-Arbeitsgemeinschaft für Palästina. Die Jüdische Rundschau berichtete in ihrer Ausgabe vom 5. April 1934 davon, dass bei den Arbeitsgemeinschaftsgruppen für „West und Bayerischer Platz“ am Abend des 9. April 1934 um 8:00 Uhr Hedwig Schmalz einen „Bericht über Ihre Palästinareise“ im „Heim der BZV., Kantstraße 54“ vorgetragen hatte.

Hedwig Schmalz und ihre beiden Töchter wurden im nationalsozialistischen Deutschland als jüdisch verfolgt. Sie emigrierten 1936 ins britische Mandatsgebiet Palästina.

Vater Albert Schmalz wurde vermutlich im Dezember 1941 in das Jüdische Zwangsaltersheim in Eschenau (Landkreis Heilbronn) eingewiesen. Im Schloss Eschenau internierten die Nationalsozialisten bis zum Tag ihrer Deportationen 93 jüdische Seniorinnen und Senioren sowie 19 jüdische Pflegekräfte. Am 22. August 1942 wurde Albert Pressburger ab Stuttgart in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert, wo er am 2. Oktober 1942 ermordet wurde. Hedwig Schmalz‘ Vater war ein Opfer der Shoah.

In Israel wirkte Hedwig Schmalz nach ihrer Emigration ebenfalls als Ärztin. Sie publizierte offenbar auch einige wissenschaftliche Beiträge. So findet sich in der Zeitschrift Das Deutsche Gesundheitswesen: Zeitschrift für Medizin 1967, in der Zeit, als sie bereits verstorben war, ein Beitrag mit dem Titel „Diagnostik und Therapie der Leukose im Kindesalter“. Am 16. Mai 1959 verstarb Hedwig Schmalz in Jerusalem. Sie wurde auf dem lokalen Friedhof Har Harmenuchot beigesetzt.

Tochter Irene Schmalz heiratete Israel Ben Meir. Aus der Ehe ging ein Sohn hervor. Ihre Schwester Ursula Schmalz blieb kinderlos und verstarb am 27. März 2000 in Jerusalem. Sie wurde direkt neben ihrer Mutter Hedwig beigesetzt.

Ein großer Dank geht an dieser Stelle an Susan Edel, die uns bei der Kontaktaufnahme mit den Erben unterstützt hat.


Quellen
  • Deutsche medizinische Wochenschrift, Band 48. Stuttgart: Thieme, 1922, S. 1735.
  • Eintrag "Hedwig Schmalz, geb. Pressburger / AEIK00664", Dokumentation „Ärztinnen im Kaiserreich“, Institut für Geschichte der Medizin und Ethik in der Medizin, Charité – Universitätsmedizin Berlin. https://geschichte.charite.de/aeik/biografie.php?ID=AEIK00664, (Online zuletzt abgerufen am 09.01.2026).
  • Gedenkbuch – Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945 des Bundesarchivs.
  • Jüdische Rundschau. In: Dan Diner (Hrsg.): Enzyklopädie jüdischer Geschichte und Kultur. Band 3. He-Lu. Heidelberg: Metzler, 2012, S. 254.
  • LAB. Heiratsregister Berlin Neukölln I – Rixdorf I. 1922. Nr. 935. (online: https://www.ancestry.de/search/collections/2957/records/279354640, zuletzt abgerufen am 2. Januar 2026)
  • Mapping the Lives. Hedwig Schmalz, geborene Pressburger. (online: https://www.mappingthelives.org/bio/8f9891a9-669a-4139-ae3a-609e04abb826, zuletzt abgerufen am 2. Januar 2026)
  • Ulmer, Martin; Ritter, Martin (Hrsg.): Das jüdische Zwangsaltersheim Eschenau und seine Bewohner. Horb am Neckar: Staudacher, 2013.
Stephan Kummer (Zentral- und Landesbibliothek Berlin) zuletzt bearbeitet am 13. Februar 2026.
Verknüpfte Person/Körperschaft
Wird geladen...