Notiz: Siehe Familie Auerbach
Walter Auerbach wurde am 2. April 1908 in Dortmund als zweiter Sohn von Paul Auerbach (1868–1930) und seiner Frau Stephanie Auerbach, geb. Lehmann, (1880–1936) geboren. Seine beiden Brüder waren Karl/Carl (1902-1975) und Arthur (1910-1941).
Walter Auerbach war Bühnenbildner und Fotograf. Nach der Reifeprüfung in Dortmund studierte er Kunstgeschichte in Marburg und war Assistent und später selbständiger Bühnenbildner in Münster, Darmstadt und schließlich in Berlin, u.a. am Theater am Schiffbauerdamm. Hier lebte er ab etwa 1930 zusammen mit den Fotografinnen Grete Stern (1904–1999) und Ellen Rosenberg, die gemeinsam das Fotostudio ringl + pit betrieben. Walter Auerbach arbeitete weiter als Bühnenbildner, ab 1933 u.a. beim Jüdischen Kulturbund. Er war eng mit dem marxistischen Philosophen Karl Korsch befreundet und Mitglied in der Kommunistischen Arbeiterpartei Deutschlands (KAPD).
Walter Auerbach, Ellen Rosenberg und Grete Stern waren im nationalsozialistischen Deutschland als jüdisch verfolgt. Alle drei flohen bereits 1933, Walter Auerbach und Ellen Rosenberg zunächst ins Britische Mandatsgebiet Palästina, wo sie zusammen Ishon, ein Fotostudio für Kinderfotografie, eröffneten und u.a. den Film „Tel Aviv“ für den Jüdischen Nationalfond (KKL) drehten. Walter Auerbach kehrte zeitweise nach Berlin zurück, bis er im Januar 1935 Deutschland endgültig verließ. Seine Wohnung in der Kurfürstenstr. 20 überließ er seinem Bruder Arthur, mitsamt dem Mobiliar und einer Bibliothek von ca. 1.200 Büchern.
Nach Beginn der arabischen Aufstände im Britischen Mandatsgebiet Palästina ab 1936 entschlossen sich beide dazu, das Fotostudio wieder aufzulösen und Palästina zu verlassen. Sie zogen zunächst nach London zu der dorthin geflohenen Grete Stern und knüpften dort über diese Kontakte zu Künstler*innen und Exilant*innen, u.a. zu Bertolt Brecht und Hanns Eisler. Walter Auerbach und Ellen Rosenberg erhielten jedoch in England keine Aufenthalts- und Arbeitserlaubnis, und so emigrierten beide in die USA. Zuvor heirateten Walter Auerbach und Ellen Rosenberg 1937 in England, auch weil damit nur ein gemeinsames Visum für die USA besorgt werden musste.
In den USA lebten Walter und Ellen Auerbach zunächst in Elkins Park, Pennsylvania, einem Vorort von Philadelphia, und verdingten sich mit Kinderfotografie. Walter Auerbach fand keine Anstellung als Bühnenbildner und verdingte sich u.a. auch als Hausdiener, Bauarbeiter, Matrose und Hausierer. Ellen Auerbach schaffte es 1938 mit einem Kinderfoto auf das Cover von Life und etablierte sich als Fotografin. Das Paar knüpfte Kontakte zu Künstler*innen wie Willem de Kooning und Fairfield Porter und Walter erneuerte seinen Kontakt zu Karl Korsch und dem Kommunisten Paul Mattick, mit dem er bereits aus Berlin korrespondiert hatte. Nach dem japanischen Überfall auf Pearl Harbour wurde Walter Auerbach 1943 zum Militärdienst eingezogen. Da er für kriegsuntauglich erklärt wurde, leistete er seinen Militärdienst als Fotograf im Army Medical Museum in Washington ab. 1943 erhielten Walter und Ellen Auerbach die US-amerikanische Staatsbürgerschaft. 1944 wurde Walter Auerbach aus medizinischen Gründen ehrenhaft aus dem Militärdienst entlassen.
Ab 1943/44 ging die Beziehung zwischen Walter und Ellen Auerbach auseinander. Beide zogen getrennt von Elkins Park nach New York City. Walter Auerbach lässt sich schließlich in Deià auf Mallorca nieder. In den Nachkriegsjahren korrespondierte er weiterhin ausführlich mit Ellen Auerbach und seinem Bruder Carl, reiste und fotografierte. Walter Auerbachs Gesundheitszustand verschlechterte sich zunehmend, er war seit etwa 1944 an Multipler Sklerose erkrankt. Ab etwa 1960 begann er eine Beziehung zu seiner späteren zweiten Ehefrau Doreen (geb. Elderton, 1921–2006), einer Bekannten von Barbara und Carl Auerbach. Walter Auerbach starb am 5. Juli 1966 auf Mallorca.
Quellen:
- Akademie der Künste. Ellen-Auerbach-Archiv. Signaturen Auerbach 4, 6, 10, 12, 16, 21-23, 573.
- bauhaus kooperation berlin dessau weimar: Ellen Auerbach. (online: https://bauhauskooperation.de/wissen/das-bauhaus/koepfe/biografien/biografie-detail/person-32, abgerufen am 11. Juni 2025)
- Graeve Ingelmann, Inka: Ellen Auerbach. Das dritte Auge. Leben und Werk. München: Schirmer/Mosel, 2006.
- Koch, Manfred: Ellen Auerbach geb. Rosenberg. (online: https://stadtlexikon.karlsruhe.de/index.php/De:Lexikon:bio-0631, abgerufen am 11.Juli 2025)
- Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten. Entschädigungsakte Walter Auerbach. LABO 321.158.
- Messner, Anna Sophia: Palästina/Israel im Blick : Bildgeographien deutsch-jüdischer Fotografinnen nach 1933. Göttingen: Walstein, 2023. S. 185 ff.
- Winter, Klaus: Paul Auerbach (online: https://www.juedische-heimat-dortmund.de/wp-content/uploads/2025/07/V_Auerbach-Paul.pdf, abgerufen am 1. September 2025
Sebastian Finsterwalder (Zentral- und Landesbibliothek Berlin), Stand vom 10. September 2025