Notiz: Das Antiquariat Baer wurde über mehrere Generationen von der jüdischen Familie Baer in Frankfurt am Main aufgebaut. Um 1900 unterhielt das Unternehmen auch Niederlassungen in Paris, St. Petersburg und London. Es entwickelte sich zu einem der weltweit bekanntesten Antiquariate. Besonders geschätzt wurden die internationalen Kontakte, die neben dem Handel mit Rara und Inkunabeln auch ausländische Literatur zu einem bedeutenden Geschäftsfeld machten. Neben dem Antiquariat betrieb die Familie einen Verlag und einen Buchhandel, wobei das Antiquariat den Kern des Unternehmens bildete.
Wesentlich für den Erfolg war der umfangreiche Lagerbestand, zu dem bekannte Auktionen beitrugen. Über diesen veröffentlichte das Antiquariat rund 800 Lagerkataloge seiner insgesamt über 1.000 Publikationen, die wegen ihrer bibliographischen Qualität große Anerkennung fanden.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten emigrierten die Brüder Leopold und Edwin Baer zunächst in die Schweiz. Dort versuchten sie eine Niederlassung in Genf aufzubauen. Dazu wurde ein kleiner Teil des Lagerbestands aus Frankfurt in die Schweiz verschickt. Die nationalsozialistischen Behörden werteten dies als vermeintlichen Devisenverstoß und leiteten ein erzwungenes Liquidationsverfahren ein.
Ein Teil des Lagerbestands wurde versteigert oder an Händler verkauft. Der Großteil gelangte jedoch an die Stadt und Universität Frankfurt – zu einem Preis, der deutlich unter Marktwert lag. Die Frankfurter Bibliotheken übernahmen mindestens 100.000 Bände in ihren Bestand.
Daniel Dudde (UB JCS Frankfurt, 04.11.2025)
Verknüpfte Personen/Körperschaften
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Freiherrlich Carl von Rothschild`sche öffentliche Bibliothek (steht in Beziehung mit)
Bibliothek für Kunst und Technik Frankfurt a.M. (steht in Beziehung mit)
Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt a.M. (steht in Beziehung mit)
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