Notiz: Alice Chilton wurde am 30. Oktober 1886 als Tochter des Rentiers Theodor Teppich (1844-1913) und seiner Ehefrau Therese Teppich geb. Ludwig (1857-1923) in Berlin geboren. Ihr Bruder war der Kaufmann Berthold Teppich (1875-1939).
Alice Cohen heiratete 1913 den Rechtsanwalt, Notar und Doktor des Rechts Ernest Chilton (1880-1940), geboren als Ernst Cohen in Mönchengladbach. Das Ehepaar hatte zwei Söhne, Herbert (1917-2012) und Werner Leopold (geb. 1921), die in Berlin geboren wurden.
Die Familie Chilton war NS-verfolgt. Ernest Chilton betrieb mit seinen Notarkollegen Karl Friedländer und Hermann Cathleen eine Kanzlei auf der Jägerstraße 11 in Berlin. 1935 wurde ihm das Notariat entzogen. 1937 verlor er seine Zulassung als Anwalt. Nach dem Krieg berichtete Alice Chilton, dass die Familie im Verlauf des Jahres 1935 wiederholt anonyme Drohbriefe erhalten habe mit der Anschuldigung, Ernest sei „Feinden der nationalsozialistischen Partei juristisch behilflich gewesen“. Seitdem plante die Familie ihre Auswanderung und gab daher 1935 ihre große Wohnung in der Schlüterstraße 42 in Berlin auf. Sie verkauften einige Möbel. Zuletzt lebte die Familie Chilton in der Pension Tils in Berlin-Wilmersdorf.
Nach weiteren Drohbriefen im Jahr 1937 reisten Alice und Ernest in die Niederlande und lebten in Heemstede. Nach der Auswanderung hatten sie aufgrund einer fehlenden Arbeitserlaubnis kein Einkommen mehr. Im November 1939 emigrierte das Ehepaar mit dem Sohn Werner Leopold in die USA, wo sie den Namen Chilton annahmen. Herbert Chilton war bereits im August 1939 nach New York gereist. Auch Ernests Bruder Felix Chilton geb. Cohen (1882-1964) und die Schwester Fanni Landecker geb. Cohen (1888-1967) emigrierten mit ihren Familien in die USA.
Ernest Chilton starb 1940 in New York, nachdem sich sein gesundheitlicher Zustand durch die Flucht verschlechterte. Nach dem Krieg war Alice Chilton als kaufmännische Angestellte tätig. Sie lebte in Forest Hills, New York. Alice Chilton verstarb im Februar 1974 in Queens, New York.
Quellen
Kristin Hoßfeld (Zentral- und Landesbibliothek Berlin) zuletzt bearbeitet am 11. März 2026.