Sack, Arnold

Person/Körperschaft

Identifier/Permalink:
Entity 4656
Tätigkeit/Titel/Branche:
Arzt, Dr. med. und Dr. phil. (1889 bis 1940)

Geburt: 4. Juni 1863 in Odessa
Sonstiges: 1886 in Heidelberg
Sonstiges: 1889 in Straßburg
Eheschließung: 1889 in Langensteinbach
Deportation: 22. Oktober 1940 in ab Baden-Baden nach Gurs
Tod: 21. November 1940 in Gurs

Adresse:
Handschuhsheimer Landstraße 29, Heidelberg (1891 bis 1938)
Stadelhoferstraße 14, Baden-Baden

Identifikation Person/Körperschaft: ja
NS-verfolgt: ja
Eigentümer: ja
GND: https://d-nb.info/gnd/116741805
Notiz: Dr. Arnold Sack wurde am 4. Juni 1863 in Odessa als Sohn der Eheleute Israel (1831–1904) und Amalie Sack (1832–?, geb. Münz) geboren. Die Familie gehörte der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Arnold hatte fünf Geschwister. Arnold Sack besuchte in St. Petersburg das Gymnasium. Nach seiner Reifeprüfung studierte er von 1881 bis 1882 an der Universität St. Petersburg. Die zahlreichen Pogrome im russischen Zarenreich in den Jahren 1881 bis 1884 führten dazu, dass die Familie Sack, wie so viele andere Jüdinnen und Juden, das Land verließ. Arnold Sack zog es nach Heidelberg, wo er sein Studium fortsetzte und 1886 mit der Promotion zum Dr. phil. abschloss. Im Anschluss folgte ein Medizinstudium, das ihn neben Heidelberg auch nach Leipzig und Straßburg führte. Seine Approbation als Arzt erhielt Arnold Sack 1889 in Heidelberg. Im selben Jahr bestand Sack die Prüfung zum Dr. med. in Straßburg.

Während seines Studiums lernte Sack Luise Schatzkin (1867–1935) kennen. Die Familie Schatzkin war Teil der jüdischen Religionsgemeinschaft in Langensteinbach bei Karlsruhe. 1889 heiratete das Paar und Arnold Sack praktizierte für ein Jahr in Langensteinbach. Im Anschluss ging Sack als Assistent an eine Hautklinik in Karlsruhe. Im Jahr 1890 kam Tochter Sophie in Langensteinbach und ein Jahr später Sohn Waldemar Theodor in Heidelberg zur Welt. Ende 1891 siedelte die Familie von Langensteinbach nach Heidelberg über. Dort praktizierte Arnold Sack bis ins Jahr 1938 als Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Seine Praxis befand sich laut den Heidelberger Adressbüchern bis 1938 im lokalen Licht- und Röntgeninstitut in der Handschuhsheimer Landstraße 12 in Heidelberg.

1895 erhielten die Eheleute Sack und ihre Kinder die badische Staatsangehörigkeit. Während sich Arnold und Luise sowie Sohn Waldemar Sack dauerhaft in Heidelberg und Umgebung niederließen, zog Tochter Sophie nach Berlin. Mit dem Machtantritt der Nationalsozialisten geriet die Familie Sack in den Fokus des NS-Verfolgungsapparates. Arnold Sack blieb in Heidelberg und konnte bis ins Frühjahr 1938 trotz zunehmender Repressalien und öffentlicher Denunziationen weiter praktizieren.
Am 31. Dezember 1935 verstarb Luise Sack in Baden-Baden. Witwer Arnold Sack verblieb noch bis ins Frühjahr 1938 in Heidelberg, ehe er seine Praxis im Mai 1938 dauerhaft schließen musste. Im Anschluss zog Sack zu seinem Sohn nach Baden-Baden in die Stadelhoferstraße 14.

Die Familien Sack und Faktor sahen für sich in NS-Deutschland keine Zukunft mehr und intensivierten ihre Bemühungen, auszuwandern. Arnold Sack blieb als einziger seiner Familie in Baden-Baden zurück. Am 22. Oktober 1940, während des jüdischen Laubhüttenfestes (hebr. Sukkot), wurden mehr als 6.500 Menschen aus den damaligen Gauen Baden und der Saarpfalz in das von der französischen Vichy-Regierung betriebene Internierungslager Gurs deportiert. Bei dem Transport handelte es sich um die erste Massendeportation von Jüdinnen und Juden seit Beginn des Zweiten Weltkrieges. Arnold Sack war einer der Deportierten. Einen Monat nach seiner Internierung verstarb Arnold Sack am 21. November 1940 in Gurs.

Quellen
Stephan Kummer (Zentral- und Landesbibliothek Berlin) Stand vom 29. August 2025
 
Verknüpfte Personen/Körperschaften
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