Zickel, Luise

Person/Körperschaft

Identifier/Permalink:
Entity 516
Tätigkeit/Titel/Branche:
Schulvorsteherin

Geburt: 25. Oktober 1878 in Breslau
Deportation: 25. Januar 1942 in Riga, Ghetto

Adresse:
Kufsteinerstraße 6, Berlin Schöneberg (1911)
Schmargendorfer Str. 25, Berlin-Friedenau
Bayerischer Platz 2, Berlin-Schöneberg (1939)
Kufsteiner Str. 16, Berlin-Wilmersdorf

Identifikation Person/Körperschaft: ja
NS-verfolgt: ja
Eigentümer: ja
GND: https://d-nb.info/gnd/1298948126
VIAF: https://viaf.org/de/viaf/441169261868709510005
Wikidata: https://www.wikidata.org/wiki/Q132137239
Notiz: Luise Zickel wurde am 25. August 1878 als Tochter der Eheleute Louis (1845–?) und Ida Zickel (1848–1919, geb. Oelsner) in Breslau geboren. Luise hatte drei Geschwister: Martin (1876–1932), Georg Kurt (1880–1957) und Anna Lina Zickel (1883–1942). Laut Heiratsurkunde war Louis Zickel von Beruf Kaufmann.

Über das frühe Leben von Luise Zickel ist wenig bekannt. Durch die identifizierten Provenienzmerkmale erfahren wir von ihren späteren Berliner Wirkungsstätten und ihrer Profession. Die im Folgenden dargelegten biografischen Informationen sind für die Dauerausstellung Wir waren Nachbarn im Rathaus Berlin-Schöneberg zusammengetragen worden. Weitere biografische Angaben stammen aus der von der Berliner Stolpersteininitiative erarbeiteten Biografie.

In den Akten der Berliner Schulbehörde für das Jahr 1903/04 wurde Luise Zickel als Privatlehrerin für Englisch, Französisch und Geschichte aufgeführt. 1907 legte Zickel ihr Schulvorsteherinnen-Examen ab. In dieser Zeit, als ein großes Interesse an privaten Mädchenschulen bestand, leitete sie ein Pensionat für „höhere Töchter“, die ihre Schulausbildung abgeschlossen hatten. Im darauffolgenden Jahr untersagten die Behörden Zickel die Weiterausübung dieser Tätigkeit, da sie kein Oberlehrerinnenexamen vorweisen konnte.

Im Jahr 1911 eröffnete Luise Zickel mit Genehmigung eine höhere Privatmädchenschule in der Kufsteinerstraße 6 in Berlin-Schöneberg. Die Privatschule stieß auf ein hohes Interesse und expandierte so erfolgreich, dass die hiesigen Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten. 1932 zog die Mädchenschule in die Kufsteiner Str. 16 um.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten geriet Luise Zickel aufgrund ihrer jüdischen Religionszugehörigkeit in den Fokus des NS-Verfolgungsapparates. Das am 25. April 1933 verabschiedete Gesetz gegen Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen richtete sich primär gegen die jüdischen Schulkinder und Studierenden.[1] Entsprechend dem jüdischen Bevölkerungsanteil in NS-Deutschland begrenzten die NS-Behörden die Zugangsquote für Jüdinnen und Juden an staatlichen Schulen und Universitäten auf 1,5 %. Deshalb entschloss sich Luise Zickel dazu, ihre Privatmädchenschule auch für jüdische Knaben zu öffnen. Da die Räumlichkeiten der Höheren Privatschule für Mädchen und Jungen und jüdische Volksschule nun aufgrund dieser erzwungenen Neuausrichtung nicht mehr ausreichten, zog die Einrichtung in das ehemalige Lorenz-Lyzeum in der Schmargendorfer Str. 25 in Berlin-Friedenau um.

In den USA lebten etwa seit 1870 zwei Onkel (mütterlicherseits) der Geschwister Zickel. Besonders ihre in Amerika lebende Cousine Nina Factor (1891–1981) drängte die Geschwister zur Emigration und beschaffte die notwendigen Affidavits. Trotz intensiver Bemühungen gelang es nicht, Luises Auswanderung und die ihrer jüngeren Schwester Anna Lina zu realisieren. Am 25. Januar 1942 wurden die Schwester Luise und Anna Lina Zickel vom Gleis 17 des Bahnhofs Berlin-Grunewald mit dem sog. 11. Osttransport in das Ghetto Riga deportiert. Viele der 1.044 Zwangsinsassen verstarben aufgrund der extremen Kälte noch auf der Fahrt ins Ghetto. Fünf Tage nach der Abfahrt erreichten die Deportationszüge am 30. Januar 1942 Riga. Fast alle der deportierten Jüdinnen und Juden wurden direkt nach der Ankunft ermordet. Die Geschwister Luise und Anna Lina Zickel waren Opfer der Shoah.

Quellen
Stephan Kummer (Zentral- und Landesbibliothek Berlin) zuletzt bearbeitet am 23. Oktober 2025.
 
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