Amelang'sche Buch- und Kunsthandlung (Berlin)

Person/Körperschaft

Identifier/Permalink:
Entity 705
Tätigkeit/Titel/Branche:
Buchhandel
Leihbücherei

Gründung: 1806 in Berlin
Gründung: 16. Mai 1812 in Berlin
: 1918 in Berlin (Erwerb der in Liquidation befindlichen Firma durch H.R. Benecke und Georg Eggers)
: 1944 in Berlin (Kriegszerstörung)
: 1947 in Berlin (Umzug und Wiedereröffnung in Frankfurt am Main)

Adresse:
Kantstr. 164, Berlin Charlottenburg (1902 bis 15. Februar 1944)
Potsdamerstr. 126, Berlin W (Deutschland)

Identifikation Person/Körperschaft: ja
NS-verfolgt: unbekannt
Eigentümer: nein
GND: https://d-nb.info/gnd/6058130-X
Notiz: Die Amelang’sche Buch- und Kunsthandlung war eine Institution des Berliner Buchhandels mit darüber hinausreichender Bedeutung. 1806 als Verlags-Buchhandlung von Carl Friedrich Amelang gegründet wechselte sie mehrfach ihre Besitzer und ihren Standort. Seit 1902 befand sie sich in der Kantstraße 164 in Charlottenburg – 1920 nach Berlin eingemeindet – und wurde unter diesem Namen von den beiden Gesellschaftern Henry Renton Benecke und Georg Eggers geführt, nach Eggers Tod 1929 von Benecke alleine.

Zur Buchhandlung gehörte auch eine Leihbibliothek (Amelangs Leihbibliothek), die sich großer Beliebtheit erfreute und einen Bestand von über 60.000 Büchern aufbaute.

Die deutsch-national gesinnte Buchhändlerfamilie Benecke stand in Verbindung zum Strasser-Flügel der NSDAP. Die Regierung Hitler sah sie kritisch und unterlief deren Vorgaben. Als 1933 SA-Trupps mit schwarzen Listen anrückten, um bei Leihbüchereien Durchsuchungen und Beschlagnahmungen von „unerwünschter" und "undeutscher“ Literatur vorzunehmen, hatte Henry Benecke – sehr zu deren Freude – bereits eine Auswahl an unwichtigen, nicht mehr gängigen Bänden bereitstellen lassen. Aus Vorsicht wurden in der Folge entsprechende Titel nur noch an bekannte Leserinnen und Leser ausgegeben, einige, besonders von jüdischen Autoren, auch intern verschenkt. Sämtliche Leihbücher waren zudem einheitlich in Kunststoff gebunden, was Durchsuchungen erschwerte. In der Buchhandlung wurde an vertrauenswürdige Kunden „unerwünschte“ Literatur ebenfalls noch lange verkauft.

Am 20. Dezember 1935 erhielt Henry Benecke ein Schreiben vom Bund Reichsdeutscher Buchhändler, in dem er zum Austritt aufgefordert und eine Frist von zehn Tagen für die Veräußerung seines Geschäfts festgesetzt wurde, weil er eine jüdische Schwiegermutter hatte. Mithilfe zahlreicher Eingaben und persönlicher Beziehungen zur Reichsschrifttumskammer gelang es ihm jedoch die Erlaubnis zu erlangen, den Betrieb weiterzuführen und eine Wiederaufnahme der Firma in das Adressbuch des Deutschen Buchhandels zu erwirken.

Als Henry Benecke 1937 im Alter von 59 Jahren starb, schlug seine Frau als „Halbjüdin“ zur Rettung der Firma das Erbe aus. Von den drei Kindern wurden zwei ausbezahlt, sodass mit Hans Benecke nur ein „Nicht-Arier“ als Besitzer auftrat, während die Familie Eggers von nun an durch einen Treuhänder vertreten wurde, der NSDAP-Mitglied war und damit einen gewissen Schutz bot.

Gleichwohl musste Hans Benecke wiederholt darum kämpfen, als „Viertel-Jude“ nicht aus der Reichsschrifttumskammer ausgeschlossen zu werden. Als schließlich in der Nacht vom 14. auf den 15. Februar 1944 eine Fliegerbombe das Ladengeschäft zerstörte, führte er die Buchhandlung zunächst in einem bereits zuvor zwei Häuser weiter gemieteten Laden, in dem die Leihbücherei untegebracht war, weiter, ehe ihm kurze Zeit später ein Laden an der Ecke Kantstr./Johannisthaler Str. zugewiesen wurde.

Aus der Leihbibliothek waren ab 1940 wertvolle Bestände ausgelagert worden. Sie bildeten zusammen mit den Restbeständen den Grundstock für den Neustart nach Kriegsende – ab 1948 in Frankfurt am Main.



Quelle:
Benecke, Hans: Eine Buchhandlung in Berlin. Erinnerungen an eine schwere Zeit, Frankfurt am Main 1995.

Text: SJS (Stiftung Topographie des Terrors), Stand: 6.01.2026.
Verknüpfte Person/Körperschaft
Elkan, Theodor (mögliche Verbindung)
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