Identifikation Person/Körperschaft: ja NS-verfolgt: ja Eigentümer: möglich
Notiz: Bei der Księża Misjonarze Wilnohandelt es sich um die polnische Bezeichnung der Domus Vilnensis Congregationis Missionis, was die im Stempel aufgeführte Adresse „Wilno Subocz 18“ (litauisch: Wilnie ulicy Subačiaus 18) belegt. Es ist eine missionarische Kongregation in Vilnius, die das Ziel verfolgt, den christlichen Glauben zu verbreiten. Heute ist die Verbindung Teil des Erzbistum Vilnius.
Die Missionspriester kamen Ende des 17. Jahrhunderts im Auftrag der römisch-katholischen Kirche aus Frankreich in das Königreich Litauen. 1695 begannen die Missionare mit dem Bau einer Kirche, derViešpaties Dangun Žengimo bažnyčia (aus dem Litauischen übersetzt: Kirche der Himmelfahrt). Der Bau wurde durch Spenden finanziert. Erst 1730 konnte die Kirche fertiggestellt werden, die sich noch heute außerhalb der historischen Stadtmauern befindet. Vom sogenannten Hügel der Drei Kreuze sind die markanten, in den Jahren 1750 bis 1754 errichteten Türme, die das Portal einrahmen, gut zu erkennen. Auch ein Klostergebäude befindet sich auf dem Gelände, das in den Jahren von 1739 bis 1751 entstanden ist. Der Gebäudekomplex in der ulicy Subačiaus 18 wurde ferner mit einem Krankenhausbau ergänzt.
Obwohl keine genauen Kenntnisse vorliegen, warum die Nationalsozialisten die Bücherbestände der Missionarskirche raubten, kann anhand der in ihnen identifizierten Bergungsnummer „15“ festgestellt werden, dass das Reichssicherheitshauptamt (RSHA) dafür verantwortlich gewesen war. Die Bücher wurden in einem bisher unbekannten Zeitraum während der nationalsozialistischen Besatzung aus Vilnius nach Berlin verschleppt. Dort lagerten sie bis zum Kriegsende in einem ehemaligen Logengebäude in der Eisenacher Straße 11–13, das vom RSHA als Depot genutzt worden war. Die Bücher des Klosters ergänzten die Raubgutbestände, die u.a. aus jüdischen Gemeinden, Logen, Parteibibliotheken und staatlichen Institutionen europaweit unrechtmäßig zusammengetragen worden sind.
Quellen
Bank, J. & Gevers, L.: Churches and Religion in the Second World War. London 2016.
Suziedelis, Saulius (1988). The Sword and the Cross: A History of the Church in Lithuania. Huntigton 1988.
Toleikis, Vytautas: Verdrängung, Aufarbeitung, Erinnerung. Das jüdische Erbe in Litauen, in: Sapper, Manfred (2008): Impulse für Europa: Tradition und Moderne der Juden Osteuropas, (Osteuropa 8–10/2008). Berlin 2008, S. 455–464.