Latz, Benno Ernst

Person/Körperschaft

Identifier/Permalink:
Entity 9299
Tätigkeit/Titel/Branche:
Arzt (Dr. med.)

Geburt: 2. August 1878 in Berlin
Tod: 2. Oktober 1953 in New York City, USA
Emigration: 1938 in nach New York City, USA

Identifikation Person/Körperschaft: ja
NS-verfolgt: ja
Eigentümer: möglich
Notiz:

Dr. Benno Ernst Latz wurde am 2. August 1878 in Berlin als Sohn jüdischer Eltern, Emil und Natalie Latz (geb. Manheimer), geboren. Er besuchte das Königliche Französische Gymnasium in Berlin und studierte anschließend Philosophie und Geschichte in Leipzig, bevor er sich der Medizin an den Universitäten Berlin und Kiel widmete. Schließlich spezialisierte er sich auf Innere Medizin.

In Berlin engagierte sich Dr. Latz als Mitglied der Bibliophilen und setzte dieses Engagement später in Wiesbaden fort. 1906 heiratete er Anita Marx am Standesamt Grunewald, und das Paar bekam drei Kinder. Die Familie Latz war wohlhabend und verkörperte das idealtypische Bild liberaler, bürgerlicher Juden, die in der Weimarer Republik ihre jüdische Identität zugunsten einer deutschen assimilieren wollten.

Anfangs lebte die Familie Latz in Berlin-Charlottenburg, bevor sie in die renommierte Kurstadt Bad Homburg umzogen. Dort avancierte Dr. Latz zum Co-Direktor der angesehenen Kurklinik „Clara Emilia“, die auf Magen-Darm-Erkrankungen spezialisiert war und von Dr. Curt Pariser geleitet wurde. Diese Klinik betreute zahlreiche prominente Patienten aus den höchsten Gesellschaftskreisen Europas und des zaristischen Russlands. Einer der bekanntesten Patienten war 1915 Dr. Paul Ehrlich, der Begründer der modernen Chemotherapie und Nobelpreisträger für Medizin im Jahr 1908, der eine familiäre Verbindung zu Dr. Pariser hatte. Um 1920 musste die Kurklinik „Clara Emilia“ aufgrund antisemitischer Anfeindungen und der wirtschaftlichen Schwierigkeiten infolge der Inflation nach dem Ersten Weltkrieg ihre Türen schließen.
Als Kaiser Wilhelm II. zu Kriegsbeginn am 24. August 1914 vom Balkon des Berliner Stadtschlosses ausrief: „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche ... ohne Stammesunterschied, ohne Konfessionsunterschied“, jubelten ihm Tausende kriegsbereit zu, mitreißend in gegenseitiger Begeisterung. Auch Dr. Benno Latz meldet sich zum Kriegsdienst und erliegt zusammen mit 100.000 anderen deutschen Juden einer verheißungsvollen Illusion.

Hitlers Machtübernahme im Januar 1933 liegt noch nicht einmal ein Jahr zurück, und das Schicksal der Familie von Dr. Benno Latz steht bereits am Rande des Abgrunds. Als Juden drohen ihm ein Berufsverbot und seiner Familie Verfolgung.

Während Dr. Benno Latz noch im April 1933 als ordentliches Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) an der 45. Tagung in Wiesbaden teilnimmt, spricht der Vorstand der DGIM in einem Telegramm dem Führer des neuen Deutschlands seine aufrichtigste Verehrung aus. In seiner Eröffnungsrede bringt der neue Vorsitzende Alfred Schittenheim die Mitglieder bereits auf Kurs der NS-Rassenhygiene und warnt vor „der großen Flut rassefremder Elemente“, die sich in einem falsch verstandenen Liberalismus vielfach nicht nur ein temporäres Gastrecht, sondern das Heimatrecht erworben hätten.

Im Zuge dieser Gleichschaltung der Ärzteschaft wird der jüdische Vorsitzende und renommierte Arzt Dr. Leipold Lichtwitz, eine Koryphäe auf dem Gebiet der Stoffwechselforschung, aufgrund seiner jüdischen Herkunft zum Rücktritt gezwungen. 100 weitere jüdische Ärzte werden aus der DGIM ausgeschlossen.

Dr. Benno Ernst Latz behielt zwar als nicht-arischer Arzt vorläufig noch seine Zulassung aufgrund einer Ausnahmeregelung, da er im Ersten Weltkrieg an der Front gedient hatte. Doch die Entrechtung nahm ihren Lauf. 1930 leitete Dr. Latz noch gemeinsam mit Dr. Erich Pilling die Wasserheilanstalt Nerotal in Wiesbaden. In den Jahren 1934-1935 durfte er dort jedoch nur noch als Belegarzt praktizieren und zog später nach Bad Kissingen. Dort wurde er zunächst ärztlicher Leiter des Sanatoriums Apolant, ab 1937 durfte er dort nur noch eine Privatpraxis ausüben.

Unaufhaltsam vollzog sich überall die Verfolgung und Entrechtung jüdischer Bürger, und als am 30. September 1938 per Gesetz allen jüdischen Kassenärzten die Approbation entzogen wurde und eine neue Emigrationswelle einsetzte, floh Dr. Benno Ernst Latz nach New York. Dort praktizierte er weiterhin als Arzt für Innere Medizin. Seine Frau Anita starb unter unbekannten Umständen noch vor der Flucht.

Das Buch aus der Philologischen Bibliothek wurde 2018 an den Enkel und britischen Künstler Geoff Latz zurückgegeben. 

Text: Elena Brasiler (Universitätsbibliothek, Freie Universität Berlin)
Stand: 
8. Januar 2018

Quellen:
http://www.juedische-pflegegeschichte.de/beitraege/institutionen/krankenpflege/juedische-orte-der-kur-bad-homburg/
Fritz Homeyer: Deutsche Juden als Bibliophilen und Antiquare, J.C.B. Mohr, Tübingen 1963, S. 113
ZLB, Adressbuch Berlin 1908
Angaben der Familie Latz, privat


 
Verknüpfte Person/Körperschaft
Moeser, verwitw. Meschelsohn, Martha geb. Latz (hat Geschwisterteil)
Wird geladen...