Notiz: Die Bibliothek des lettischen Parlaments in Riga, die Latvijas Republikas Saeima Biblioteka, wurde während der deutschen Okkupation Lettlands von 1941 bis 1944 ausgeraubt. Teile des Bestandes wurden als sog. Beutegut nach Deutschland verschleppt.
Nach dem Ende des I. WK erklärte Lettland am 18. November 1918 seine Unabhängigkeit. Es folgte der Lettische Unabhängigkeitskrieg, der am 11. August 1920 mit dem Friedensabkommen mit Sowjetrussland endete. Im Zuge der Wahl des Abgeordnetenhauses des unabhängigen Lettlands wurde am 9. Juni 1920 ein Bibliotheksausschuss gebildet. Die bis dahin aufgebaute Bibliothek wurde im Anschluss an die Konsultation des I. lettischen Parlaments als Parlamentsbibliothek (Saeima) weitergeführt. Die Bibliothek existierte bis zur Auflösung des lettischen Parlaments am 15. Mai 1934.
Recherchen brachten die Erkenntnis, dass Teile der Bücher im Depot des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) eingelagert worden sind. In dem ehemaligen Logengebäude in der Eisenacher Straße 11-13 in Berlin-Schöneberg befand sich die Bibliothek des RSHA. Millionen Bücher aus von den Nationalsozialisten in Deutschland und Europa geraubten Bibliotheken wurden dort zusammengetragen. Die nationalsozialistischen Machthaber planten mit dem NS-Raub- und Beutegut den Aufbau einer „Gegnerbibliothek“.
Wie der genaue Weg der Bücher aus der lettischen Parlamentsbibliothek ins RSHA verlief, ist bisher unbekannt. Vermutlich sind die lettischen Buchbestände sowie andere lettische Kulturgüter von den Nationalsozialisten im Auftrag von Reichsleiter Alfred Rosenberg (1893–1946) im Sommer 1944 nach Deutschland verlagert worden. Sylvia Kubina vermutet, dass es sich bei dem Depot des RSHA um ein Zwischenlager für die lettischen Bücher gehandelt haben könnte, da bereits seit 1943 kriegsbedingte Auslagerungen von Bibliotheksbeständen in Berlin stattgefunden haben.
Quellen:
Kubina, Sylvia (1995): Die Bibliothek des Rätekommunisten Alfred Weiland (1906–1978), Veröffentlichungen der Freien Universität Berlin, hier Band 4. Berlin: Universitätsbbliothek der Freien Universität Berlin, S. 88 f.
Seibert, Sebastian (2023): Die Bibliothek des Reichssicherheitshauptamtes und der Kulturgutraub in der Zeit des Nationalsozialismus, Berliner Handreichungen zur Bibliotheks- und Informationswissenschaft, hier Heft 515, hrsg. Von Vivien Petras. Berlin: Humboldt-Universität zu Berlin.
Stephan Kummer (Zentral- und Landesbibliothek Berlin) Stand vom 6. März 2025